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Interview mit Gerard Goldberg, Neueinwanderer Drucken E-Mail

Hallo Gerard! Danke, dass wir Dir ein paar Fragen stellen können. Wie uns zu Ohren gekommen ist, bist Du Bäcker und Konditor. Als Insider zum Thema Essen hast Du vielleicht einige Anmerkungen zu diesem Thema parat........

NOAM:

Woher stammst Du und wie lange bist Du schon in Israel?

 

GERARD:

Ich bin 1989 aus Basel eingewandert und lebe seitdem in Jerusalem, weil ich religiös bin und meine Schwester schon da war.

 

NOAM:

Da gab es NOAM noch nicht, wie bist Du auf uns gestoßen?

 

GERARD:

Bei der vorletzten Fußball WM der Neueinwanderer hat man mich gefragt, ob ich bei den Schweizern mitspielen würde und so erfuhr ich von NOAM.

 

NOAM:

Und was hat Dich nach Israel gezogen?

 

GERARD:

Die Alleinigkeit in Basel - fast alle waren schon ausgewandert und deshalb habe ich dort keine Zukunft mehr gesehen und mich auch verabschiedet. Bevor ich einwanderte, war ich erst im Kibbuz und dann im Ulpan und habe in der Schweiz meine Lehre als Bäcker und Konditor abgeschlossen.

 

NOAM:

Da hat man sich hier sicher um Dich gerissen. Das muss ein in Israel sehr gefragter Job sein.

 

GERARD:

Nein, ich hatte anfangs Schwierigkeiten, weil ich nur Toschav Arai war. Ich konnte auch

nicht so gut Hebräisch. Durch meine Schwester kam ich zuerst in einem Hotel unter und jahrelang ging es up and down mit der Arbeit. Irgendwann, so zwischen 94 und 96, wollte ich fast das Handtuch werfen und es war aus mit aller Euphorie. Dann fing ich 1997 bei der Bäckerei Berman in Jerusalem an...

 

NOAM:

.. wo Du heute noch arbeitest. Schmeckt Dir das Brot hier besser? Oder in der Schweiz?

 

GERARD:

Das Brot in der Schweiz ist eindeutig besser. Das liegt an dem schmutzigen Wasser in Israel und an der Mehlmischung. In Reformhäusern kann man zwar Roggen- und anderes Mehl kaufen und selber Brot backen, aber das Problem mit dem Wasser bleibt.

 

NOAM:

Welches Brot magst Du denn am liebsten? Und findest Du nicht, dass es zu teuer ist?

 

GERARD:

Nein. Brot ist so teuer, weil es schwer gearbeitet wird. Das ist die einzige richtige Handarbeit, die es noch gibt. Beim Kneten und Abwägen darf kein Fehler passieren. Ich selbst mag lieber dunkles Brot und am liebsten die sehr guten Chales, die ich jeden

Freitag selber mache. Donnerstags Abend gehe ich in der Regel nicht weg und stehe dafür um 2, 3 Uhr auf.

 

NOAM:

Und gehst Du sonst weg? Was hältst Du vom Essen in den Restaurants?

 

GERARD:

Am besten ist Mutterkost. Auswärtig essen ist teuer und ungesund. Meine Mutter ist eine große Köchin und ich bereite selbst sehr tolle Sachen zu. Bei den Treffen vom Irgun Zeirim

Vatikim schel Katamon ist meine Küche sehr beliebt.

 

NOAM:

Was ist das für ein Irgun?

 

GERARD:

Eine Jugendgesellschaft, wo alle füreinander kochen, um sich und das Essen der anderen kennen zu lernen. Ich träumte einmal davon, Koch zu werden, aber in der Schweiz war das wegen der Kaschrut problematisch. Mit der Bäcker- und Konditorlehre hatte ich Glück. Mein leider früh verstorbener Meister in Basel erlaubte mir immer, den Schabbes frei zu nehmen, obwohl Freitag und Samstag in der Schweiz die Tage mit dem meisten Umsatz sind. Allerdings war ich damals ziemlich sauer auf die Sochnut. Die hatten mir gesagt, dass ich meinen Beruf besser vor der Aliah lernen solle und als ich dann herkam stellte ich fest, dass es hier auch eine Bäcker und Konditoreischule gab.

 

NOAM:

Apropos Konditorei? Wo gibt es den besseren Kuchen?

 

GERARD:

Der Kuchen hier ist sehr gut, nur die Auswahl ist ein bisschen kleiner. Wegen dem Koscher geht nicht soviel, zum Beispiel mit Kirschen und Schnapps.

 

NOAM:

Und die Getränke zum und der Käse nach dem Essen? Du kommst aus einem Käseparadies, fehlt Dir das nicht in Israel?

 

GERARD:

Nein. Manchmal hatte ich etwas Nachweh auf Raclette und Fondue, aber mir fehlt nichts.

Früher gab es vielleicht nur drei, vier Sorten Tnuva, aber mit den Einwanderern ist auch eine große Auswahl gekommen. Und der israelische Wein ist hervorragend, das kann ich als Gourmet bezeugen. Auch der Schuk ist sensationell. Das Gemüse ist immer wirklich frisch und deswegen kaufe ich lieber dort, als im Laden.

 

NOAM:

Dann wollen wir Dich jetzt nicht länger vom Einkaufen, Kochen, Backen und Genießen abhalten. Vielen Dank für Deine Zeit, Shana Tova veteima!


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