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Der Irgun Olej Merkaz Europa (IOME) Drucken E-Mail
Geschrieben von Irgun   
Sunday, 21. October 2007

Die Vereinigung der Israelis mitteleuropäischer Herkunft im Wandel der Zeiten

 

Recherche und Zusammenstellung: Rafaela Stankewicz

Erstes Kapitel: Die Anfangsjahre 1932 ‑ 1936

Der Irgun Jozej Merkas Europa wurde 1932 unter dem Namen Hitachdut Olej Germania (hebräisch abgekürzt äò"â) gegründet. Seit damals setzt die Vereinigung sich in liberalem und humanistischem Geist für Wohlergehen und Kulturleben der Einwanderer aus Mitteleuropa und ihrer Nachkommen ein. Sie besitzt feste Organe. Die Amtsträger werden durch die beitragzahlenden Mitglieder gewählt. Die Vereinigung unterhält Elternheime, Tagesclubs, ein Solidaritätswerk, ein Museum, ein wissenschaftliches Forschungsinstitut sowie eine Zeitschrift in deutscher und hebräischer Sprache. Ein Hauptbetätigungsfeld der Vereinigung ist die Bewahrung des Kulturerbes der mitteleuropäischen Judenheit und die Vermittlung ihrer Werte an die israelische Öffentlichkeit.

Die Gründung

Die Vereinigung wurde in Tel Aviv, Palästina/ Erez Israel gegründet, und zwar im Februar 1932, noch bevor in Deutschland die Nazis an die Macht kamen und die Mitteleuropäer im Land kaum mehr als 2000 zählten. Immerhin war schon das Bedürfnis vorhanden, für die wenigen, bis dahin aus Deutschland gekommenen Einwanderer eine Anlaufstelle zu schaffen, die ihnen bei Arbeits‑ und Wohnungsangelegenheiten, Kapitalanlagen, Rechtsbeistand, Vertretung vor den Mandatsbehörden und dem deutschen Konsulat beratend zur Seite stehen konnte. So ein landsmannschaftlicher Zusammenschluss war eine Neuheit im öffentlichen Leben des Jischuw und wurde für Einwanderer anderer Herkunftsländer zum Vorbild. Die ihn ins Leben riefen, waren schon vorher in der zionistischen Organisation in Deutschland und auch in führenden Stellungen in der zionistischen Weltorganisation tätig gewesen. Diese früh eingewanderten Männer hatten aus ihrer Heimat eine Tradition der Gemeindeaktivität mitgebracht und die Schwierigkeiten der Übersiedlung aus Deutschland nach Erez Israel und die mit der Eingliederung in die Gesellschaft des alteingesessenen Jischuw verbundene gesellschaftliche und wirtschaftliche Problematik am eigenen Leibe erfahren. Unter ihnen waren die beiden ersten Präsidenten der Vereinigung, die Aerzte Theodor Zlozisti und Ernst Levy. „Einwanderer nehmen Einwanderer auf", lautete der Grundsatz; bereits früher Eingewanderte sollten den Nachkommenden bei der Eingliederung helfen.

 

Als Hitler Reichskanzler wurde

Die Gründer der Vereinigung konnten nicht wissen, dass binnen weniger Monate die Juden Deutschlands und ganz Europas von Unheil bedroht sein würden und die Wellen der Einwanderung nie dagewesene Ausmaße erreichen sollten. Im Januar 1933 bezog Hitler die Reichskanzlei. In Tel Aviv stellte die Vereinigung ein „Notstandskomitee" unter dem Vorsitz von Dr. Ernst Levy, Abraham Lansberg und Felix Rosenblüt (später Pinchas Rosen) auf. Als Sekretär der Vereinigung fungierte Dr. Fritz Löwenstein.

Noch bevor noch bei der Jewish Agency eine besondere Abteilung für die Einwandererschwemme aus Deutschland eingerichtet wurde, erfüllte die Vereinigung diese Aufgabe mit tatkräftiger Unterstützung der Ankommenden. Die Jewish Agency für Deutschland war erst im Oktober 1933 einsatzbereit. Die beiden Organisationen arbeiteten in vielen Bereichen zusammen und teilten sich die Aufgaben: die Vereinigung unterhielt ständige Verbindung mit den neuen Einwanderern und half ihnen vermittels ihres Netzes von Zweigstellen, ihre Eingliederung zu planen. Direktor der „deutschen Abteilung" in der Jewish Agency war Arthur Ruppin, in leitender Stellung wirkten Georg Landauer und Werner Senator. Zusammen lenkten sie die Einwanderung nach Erez Israel.

 

Erweiterung

Die Vereinigung dehnte ihre Tätigkeit auf Jerusalem, Haifa und Chadera aus. Auch die aus Deutschland gekommenen Mitglieder des Kibbuz Giv'at Brenner schlossen sich an. In Ortschaften, die zu klein für eine eigene Zweigstelle waren, wurden „Vertrauensleute" als Vertreter ernannt. 1937 besaß die Vereinigung bereits vier Zentralbüros in Jerusalem, Tel Aviv, Haifa und Petach Tikwa, zwanzig Zweigstellen in kleineren Orten und 5000 zahlende Mitglieder. Zwei Jahre später waren es schon 36 Zweigstellen und 6000 zahlende Mitglieder. Die anhaltende Einwanderung machte aus einem kleinen Verein einen der größten freiwilligen Verbände des Landes. Zuerst trugen die Mitgliedsbeiträge die gesamte Tätigkeit der Vereinigung, später finanzierte die deutsche Abteilung der Jewish-Agency den größten Teil der Ausgaben. Ebenfalls beteiligt war die „Ha'avara"‑Gesellschaft, die die Überführung jüdischer Vermögen aus Deutschland nach Erez Israel abwickelte. Die Vereinigung sammelte bei ihren Mitgliedern auch Spenden sowohl für die laufende Tätigkeit, als auch für die Schaffung einer Darlehenskasse sowie für dringende groß angelegte Sonderaktionen wie die „Jugend-Alija" (1936) und die Aufnahme der Juden aus Österreich (1938).

 

Tätigkeit

Im ersten Jahr ihres Bestehens (1932) behandelte die Vereinigung 540 Anträge von Einwanderern in Angelegenheiten des täglichen Lebens, vorwiegend in Tel Aviv. Hans Kaufmann, der erste Sekretär der Vereinigung, empfing die Hilfesuchenden im Büro der Vereinigung in der Allenbystraße 106. Im zweiten Jahr (1933) wurden schon 20345 Anträge behandelt. Im dritten Jahr (1934) organisierte die Vereinigung Hebräischkurse. Beherrschung des Hebräischen war Vorbedingung für die Eingliederung des Einwanderers ins Erwerbsleben und für die Integration in den Kulturbetrieb und in die Gesellschaft. Vorträge und Diskussionen über Zionismus, über jüdische Überlieferung und über politische Tagesfragen wurden organisiert. Diese Veranstaltungen setzten sich zu einem regelrechten Lehrplan für Erwachsene zusammen, dem „hebräischen Seminar", einer Art Volkshochschule. Im Jahre 1934 begründete die Vereinigung auch die Darlehenskasse für Einwanderer ‚Kupat milweh la'oleh‘, die Geld für Geschäftseröffnungen vorstreckte. Im März 1935 fand die „erste hebräische Zusammenkunft" der aus Deutschland Eingewanderten statt. Dort wurden Grundfragen wie die Vermittlung der Sprache an Erwachsene erörtert. Das Projekt des Sprach‑ und Allgemeinbildungsunterrichts für Erwachsene gilt bis heute als Grundlage für die Eingliederung neuer Einwanderer. Damals wurden auch detaillierte, fortlaufend aktualisierte Datenbanken über offene Arbeitsstellen und Beschäftigung suchende Arbeitskräfte angelegt. Im selben Jahr eröffnete die Vereinigung Einwandererwohnheime, Sanatorien für Einwanderer, „Mittelstandsküchen", Sammelstellen für gebrauchte Kleidung, eine Hilfskasse, das Solidaritätswerk und die Elternheime. Es war die Vereinigung, die sich gebrechlicher Senioren annahm, Kranke besuchte und pflegte und Bedürftige unterstützte, noch bevor die junge Pioniergesellschaft des Jischuw daran dachte, für diese Menschen zu sorgen. 1938 wurde auch die Hilfskasse gegründet, die vor allem Sozialfällen Geld vorstreckte, ohne eine Bürgschaft zu verlangen. Die Vereinigung diente auch als unpolitische Fürsprecherin für die Belange der deutschen Juden; in erster Linie rang sie um die Zuteilung lebenswichtiger Einreisezertifikate. Angesichts der sich in Deutschland nach den Nürnberger Gesetzen zuspitzenden Lage und der Einwanderungskrise drangen die Obmänner der Vereinigung auf Unterstützung der Juden Deutschlands, die sich aufgrund der Bedrückung durch das Naziregime in großer Not befanden. Es war die Vereinigung deutscher Einwanderer, die infolge der Nürnberger Gesetze von der englischen Mandatsregierung Sonderzertifikate forderte. Sie war es auch, die 1935 bei der Direktion der Jewish Agency wegen der geringen Zahl der für Deutschland zugeteilten Einreisezertifikate protestierte.

 

Die Statuten

Die Statuten der Vereinigung wurden ganz am Anfang formuliert, als die Vereinigung rund 250 Mitglieder zählte. Mit der Ausweitung ihrer Tätigkeit und dem steilen Ansteigen ihrer Mitgliederzahl in den Jahren 1933-1934 musste die Führung die Statuten den neuen Umständen anpassen. 1935 ging die Vereinigung durch eine innere Krise. Man focht einen erbitterten inneren Disput aus über das rechte Maß der Einmischung in die erez-israelische Politik. Die Meinungsverschiedenheiten führten zur Aufstellung neuer Statuten, die darauf abzielten, einerseits Parteinahme in politischen Streitigkeiten des Jischuw zu verhindern und andererseits die soziale Tätigkeit der Vereinigung zu verbessern. Die damalige Forderung, sich nicht mit Politik und religiösen Fragen zu befassen und entsprechend den Gesetzen des Landes und dem zionistischen Geist zu handeln, gilt bis heute als Prinzip der Vereinigung. Die neuen Statuten der Vereinigung definierten zum ersten Mal den Begriff der Mitgliedschaft in der Vereinigung, Status und Tätigkeit der Zweigstellen und Landesorgane; auch legten sie Wahlverfahren fest und regelten die verschiedenen Befugnisse.

 

Zweites Kapitel: Konsolidierung und Ausweitung (Die Vereinigung von 1936 bis 1948)

In den folgenden Jahren traten in der Hitachdut Meinungsverschiedenheiten auf über ihre Gestalt und ihren allgemeinen Charakter, über ihre Politisierung und über die Aufgabe ihres Apparates. Die Zentrale der Vereinigung bezog den Standpunkt, dass Politik wohl ein Mittel zur Erlangung von Zwecken sein könne, aber nicht zum Hauptzweck der Vereinigung werden dürfe. Entsprechend dieser Auffassung wurde die Leitung der Vereinigung neu organisiert: Kurt Blumenfeld wurde zum Vorsitzenden gewählt. Max Kreuzberger, der lange in jüdischen Wohlfahrtsvereinen in Deutschland tätig gewesen war, wurde zum Generalsekretär der Vereinigung gewählt. Nach dem Anschluss Österreichs an Nazideutschland im Jahre 1938 schlug die Vereinigung den Sprechern der österreichischen Einwanderer im Lande, die bis dahin eine eigene kleine Landsmannschaft gehabt hatten, in Erwartung verstärkter Einwanderung aus Österreich Zusammenarbeit und schließlich den Zusammenschluss der beiden Organisationen vor. 1939 erstand auch tatsächlich die ‚Hitachdut Olej Germania weAustria‘ (hebräisch abgekürzt äòâå"à), zu deren Präsidenten Siegfried Moses gewählt wurde, mit Josef Lamm (von der österreichischen Vereinigung) und Herbert Forder als Stellvertretern. Noch im selben Jahr schlossen sich auch die Landsmannschaften Danzig und Tschechoslowakei an. Die Kristallnacht im Herbst 1938 und die nachfolgende Verschärfung des Drucks stürzten die Führung der Einwanderer aus Deutschland in schwere Zweifel. Wie sollte die jüdische Antwort auf die Verfolgungen in Deutschland aussehen? Angesichts der damaligen Geschehnisse in Europa war die Führung der Vereinigung der Ansicht, dass der Jischuw bis zum völligen Sieg über Deutschland die Kriegsanstrengung zu seinem Hauptanliegen machen müsse. Die Vereinigung beschloss, sich den Fragen des jüdisch-britisch-arabischen Beziehungsdreiecks später zu widmen. Mit dem Kriegseintritt Italiens und der Ausweitung der Kampfhandlungen auf den Nahen Osten verstärkte die Vereinigung ihren Druck auf die Jewish Agency, ihre Position bezüglich der Teilnahme am Krieg zu revidieren. Im Sommer 1940 befürwortete die Vereinigung die Meldung zum britischen Heer, und tatsächlich kam ein großer Teil der Kriegsfreiwilligen aus den Reihen der Mitteleuropäer.

 

Politische Stürme

In der Jahresversammlung 1942 wurde nach schweren politischen Kämpfen beschlossen, die Vereinigung der Einwanderer aus Deutschland und Österreich in zwei Körperschaften zu spalten. Außerdem wurde beschlossen, die Vereinigung in eine politische Partei mit dem ‚Alija chadascha‘ umzuwandeln. Für Wohlfahrt und Eingliederung der Einwanderer sollte nunmehr eine neue unpolitische Organisation namens ‚Irgun Olej Merkas Europa‘ sorgen, die auch das gegenseitige Hilfswerk, die Darlehenskasse Kupat Milwe und die Hilfskasse übernehmen und hinfort die meisten der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Aufgaben wahrnehmen sollte, die bisher die alte Vereinigung erfüllt hatte. So nahm die Vereinigung den Charakter an, den wir heute kennen: kulturell, gesellschaftlich und karitativ engagiert. (Siehe Kapitel 5)

 

1945 - Neue Ziele

Vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Unabhängigkeitskrieg befasste die Vereinigung sich mit neu auftretenden Problemen: Suche nach Verwandten, die die Vernichtung überlebt hatten und deren Verbindung zu ihren Familien abgerissen war, Unterstützung entlassener Soldaten mitteleuropäischer Herkunft bei der Wiedereingliederung ins Zivilleben, sozialer Wohnungsbau, Registrierung in Deutschland zurückgebliebenen Eigentums, Entschädigungsforderungen an Deutschland. Zur Behebung der Wohnungsnot der mitteleuropäischen Einwanderung wurde 1946 die Wohnungsgesellschaft ‚Ladur‘ gegründet. Sie sollte für die Einwanderer bescheidene Wohnungen bauen und ihnen die Akklimatisierung im neuen Land erleichtern. Die Vereinigung führte diese Ausgabe erfolgreich aus, indem sie rund hundert Wohnungen baute, zum Teil in Kiriat Bialik, zum Teil in Cholon. Diese in den Vierzigerjahren errichteten Häuser waren einfachste Gebäude mit Einzimmerwohnungen. Als sich herausstellte, dass die von Ladur gebotenen Unterkünfte die Zwecke der Vereinigung nicht mehr erfüllten, weil die Einwanderer bei der Vereinigung keine zeitweiligen Wohnungen suchten, die Behausungen aber aufgrund ungenügender Qualität nicht zu ständigen Wohnsitzen taugten, wurde beschlossen, die Gesellschaft zu schließen.

 

Drittes Kapitel: Wir haben einen Staat

Als mit der Staatsgründung die mitteleuropäische Einwanderung aufhört und der Staat sich der Unterstützung Einzelner weitgehend annimmt, schließt die Vereinigung die kleinen Zweigstellen und zieht sich auf drei Hauptzentren zurück: Jerusalem, Tel Aviv und Haifa. Im Laufe der Jahre bekamen die drei Zweigstellen der Vereinigung mehr Verantwortung und Befugnisse für die Wohlfahrts‑, Kultur‑ und Sozialarbeit in ihren jeweiligen Bezirken. Die Aufgabe lautete, die Verbindung zu den Mitgliedern der Organisation zu vertiefen und neue Mitglieder zu gewinnen, Sozialfälle in der bedürftigen Bevölkerung aufzuspüren und sich um ein größeres Spendenaufkommen für das Solidaritätswerk zu bemühen, sowie das Angebot an kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungen in den Zweigstellen zu erhöhen. Diese unterhalten Seniorenclubs, veranstalten Ausflüge und Kulturereignisse, helfen bedürftigen Mitgliedern und bilden für die Mitglieder der Vereinigung den Mittelpunkt ihres gesellschaftlichen und kulturellen Lebens.

 

Die Elternheime

Die Vereinigung der Israelis mitteleuropäischer Herkunft begann in den Fünfzigerjahren mit dem Bau von Elternheimen, deren Betreibung mit der Zeit zu einem Hauptzweig ihrer Tätigkeit wurden. Das Direktorium erkannte bereits Ende der Dreißigerjahre, dass aufgrund der demographischen Struktur dieser Einwanderung in Bälde Lebensrahmen für pflegebedürftige Senioren geschaffen werden mussten. Die Vereinigung zählt zu den Pionieren der modernen geriatrischen Pflege im Land und sorgte als einer der Ersten für alt gewordene Mitglieder der Gesellschaft. Seit den Fünfzigerjahren baute die Vereinigung ein weit verzweigtes Netz von Elternheimen und Wohnhäusern auf, die durch die Gesellschaft Me'onot Horim (Jerusalem, Tel Aviv) und die Gesellschaft Batej Horim (Haifa) verwaltet werden, getrennte Körperschaften in eigener Verantwortung, jedoch unter der Aufsicht des Finanzkomitees und des Präsidiums der Vereinigung. In den Siebziger‑ und Achtzigerjahren wurden die Elternheime in großem Umfang renoviert, und moderne Wohnungen wurden hinzugefügt, um den Bedürfnissen der Jeckes und ihres Nachwuchses zu genügen. Seit den Neunzigerjahren hat der Bau geschützter Wohnungen Vorrang, bei denen nicht nur der Pflegeaspekt betont wird, sondern auch kulturelle und gesellschaftliche Aktivitäten einen wichtigen Platz einnehmen. 1967 wurde mit Zuschüssen aus dem deutschen Bundesetat das Hotel Ja'aroth haKarmel gegründet, das der Vereinigung angeschlossen war, um Sanatoriumspflege und ärztliche Behandlung von Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung in Israel zu ermöglichen. Im Laufe der Zeit sank der Anteil der durch die deutsche Regierung finanzierten Behandlungen, und die Vereinigung beschloss, die Liegenschaft zu veräußern.

Die Vereinigung in der Claims Conference

Zu Anfang der Fünfzigerjahre spielte die Vereinigung eine wichtige Rolle bei der Einrichtung der Claims Conference, deren Ziel die Entschädigung der Opfer nationalsozialistischer Verfolgungen, ihre Rehabilitation und die Rückerstattung ihres Vermögens ist. Die Vereinigung der Israelis mitteleuropäischer Herkunft besaß im Exekutivkomitee der Claims Conference einen der beiden Sitze des Council of Jews from Germany, einer Gemeinschaftsvertretung der Vereinigung der Israelis mitteleuropäischer Herkunft und jüdischer Verbände von Vertriebenen aus Deutschland in England, den USA und Frankreich. 1997 erhielt die Vereinigung der Israelis mitteleuropäischer Herkunft direkten Status in der Claims Conference. Die ganze Zeit über unterhält die Vereinigung der Israelis mitteleuropäischer Herkunft enge Verbindung zum Vorstand der Conference on Jewish material claims against Germany and Austria, dem Council of Jews from Germany und der URO (United Restitution Organization), um bei der Rückstellung oder Vergütung von durch die Nationalsozialisten geraubten Privat‑ und Gemeindeeigentums behilflich sein zu können. Außerdem legt die Vereinigung Anträge auf Finanzierungszuschüsse für Projekte der Vereinigung vor, die zum Wohle von Holocaustüberlebenden bestimmt sind. Im Juli 2006 wurde Reuven Merchaw, der Präsidiumsvorsitzende der Vereinigung, zum Vorsitzenden des Exekutivkomitees der Claims Conference gewählt.

 

Die Zweitausender - neue Ziele

Mit Anbruch des 21. Jahrhunderts beschlossen die Jeckes der zweiten, das heißt der im Lande geborenen Generation, der Vereinigung einen weiteren Zweck zu geben: Hervorhebung des Erbes der Fünften, der jeckischen Alija, der kulturell-gesellschaftlichen Tradition des mitteleuropäischen Judentums, der Überlieferung von Aschkenas. Die Vereinigung der Israelis mitteleuropäischer Herkunft setzte sich das Ziel, für die Bewahrung des Erbes des mitteleuropäischen Judentums und dessen Vermittlung an die israelische Allgemeinheit zu wirken. Schon 1955 war in der Vereinigung beschlossen worden, das Leo‑Baeck‑Institut zur Erforschung des jüdischen Erbes in den deutschsprachigen Ländern ins Leben zu rufen. Das Institut wurde gegründet, um geschichtliches Material zu sammeln, wissenschaftlich zu erforschen und für die Veröffentlichung für die Wissenschaft und das allgemeine Publikum vorzubereiten. Das Ziel war, eine Fortsetzung des jüdischen Kulturlebens und der durch den Holocaust abgebrochenen Forschungen zu gewährleisten. Zu den Gründern des Instituts zählten die Professoren Martin Buber und Gerschom Scholem, Siegfried Moses und andere mehr. Alljährlich veröffentlicht das Institut eine große Zahl Bücher und wissenschaftliche Aufsätze aus den Bereichen Gesellschaft, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft. Diese Veröffentlichungen, sowie auch die in verschiedenen Ländern abgehaltenen internationalen Konferenzen, haben das Leo‑Baeck‑Institut unter den wissenschaftlichen Einrichtungen weltberühmt gemacht. Das Institut in Jerusalem ist unter anderem für die Veröffentlichung von Büchern und Monographien für den hebräischen Leser verantwortlich und unterstützt Forscher in Israel bei ihrer Arbeit. Eine der Hauptaufgaben der Organisation wurde vor einigen Jahren mit der Veröffentlichung von vier Bänden über die Geschichte der Juden in Deutschland seit dem 15. Jahrhundert abgeschlossen.

 

 

1993 - Die Jeckesausstellung

 

Eine erste bedeutende Veranstaltung zur Förderung des Kulturerbes fand im Oktober 1993 in Jerusalem statt, und zwar in Gestalt einer Ausstellung zum Thema „Die Jeckes in der Fünften Alija". Genau 60 Jahre waren seit der massiven Ankunft und Integration der Einwanderer aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei und dem Beginn ihres Beitrags zum Aufbau des Landes vergangen. Die Ausstellung war drei Jahre lang in Israel und in 21 Städten in ganz Deutschland zu sehen.

 

1998 - Neue Einwanderer

1998 wurde in der Vereinigung eine neue Abteilung geschaffen. Ihr Name „No'am" steht für No'ar Olej Merkas Europa, denn es kommt wieder Jugend aus deutschsprachigen Ländern und bringt neue Bedürfnisse mit. Die Vereinigung gibt Rat und betreut die Eingliederung, sammelt Informationen über Einwanderervorrechte, berät in Sachen Ausbildung und hilft ihren Mitgliedern bei der Arbeitssuche. Außerdem pflegt und unterhält No'am ständige Verbindung mit jüdischen Gemeinden und Jugendorganisationen in Deutschland und Österreich.

 

2001 - Das Jeckesmuseum

Im Dezember 2001 erklärte das Präsidium die Errichtung des „Hauses des Erbes des mitteleuropäischen Judentums", Bet Moreschet Jahadut Merkas Europa, zu ihrem einzigen und wichtigsten Betätigungsfeld. Das Beth Moreschet sollte ein Forschungsinstitut, ein Archiv und ein Informationszentrum als Gemeinschaftsprojekt mit dem Leo‑Baeck‑Institut einschließen. Nach langwieriger Erörterung und Auseinandersetzung zwischen zwei Auffassungen, der des früheren Präsidiumsvorsitzenden Michael Kol Nescher und der seiner Nachfolgerin Michal Katznelson, die mit dem Ort des Bet Moreschet nicht einverstanden war - sie sprach sich vor allem gegen das teure Selbstbauen aus, das die finanzielle Sicherheit der Vereinigung gefährden könne, und befürwortete deshalb den Anschluss an eine bereits vorhandene Einrichtung -, beschloss das Präsidium im Mai 2002, nicht in Ramat-Gan zu bauen, obwohl die Stadt ein Grundstück bereitgestellt und die Claims Conference einen ersten Zuschuss von einer halben Million Dollar für das Projekt bewilligt hatte, und die Möglichkeit zu prüfen, an das Museum für deutschsprachiges Judentum in Tefen anzuknüpfen und es zu erweitern. (Es handelt sich dabei um eine kleine Sammlung, die 1991 aus Naharia in das „Offene Museum" des Industriellen Steff Wertheimer in Tefen überführt wurde.) Der Vorstand des Irguns unterzeichnete 2004 mit der Leitung des Museums in Tefen einen Partnerschaftsvertrag über die Errichtung eines „Merkas Moreschet", das die Geschichte der Fünften Alija und ihres Beitrags zur Gesellschaft und zum Staat erzählen soll. 2005 wurde auf Wertheimers Betreiben das neue „Museum für deutschsprachiges Judentum - Zentrum für das Erbe der Jeckes" im Industriepark Tefen eingeweiht. Das Museum erzählt von der ruhmreichen Vergangenheit der mitteleuropäischen Juden in Deutschland, Österreich, Böhmen und Mähren bis zum Zweiten Weltkrieg. Desgleichen vermittelt das Museum das Wirken der Jeckes im Land Israel auf verschiedenen Hauptbereichen sowie den Einfluss der ins Land gekommenen Träger deutscher Kultur auf die abendländische Prägung Israels.

 

2004 - Das große Treffen in Mischkenot Scha'ananim

Im Mai 2004 zog eine internationale Konferenz mit dem Thema „Die Jeckes" viele Teilnehmern in die Jerusalemer Mischkenot Scha'ananim. Im Mittelpunkt der Konferenz stand der Beitrag der Einwanderer aus den deutschsprachigen Ländern zu Aufbau und Entwicklung des Landes, zu Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Kunst, Bildung, Rechtswesen und Kommunikation. Neben der wissenschaftlichen Konferenz fanden einschlägige Kulturveranstaltungen und Ausstellungen statt.

 

 

2005/2006/2007 - Ein Veranstaltungsreigen

In den Jahren 2005, 2006 und 2007 hielt die Vereinigung eine Reihe von Veranstaltungen und Zusammenkünften ab, allesamt zum Thema des Erbes der Jeckes und ihres Beitrags zum Aufbau des Staates und zur Gesellschaft in Israel. Zu den besonderen Ereignissen zählen das Symposium in Tefen über den Beitrag der Ärzte aus Deutschland und Österreich, die Veranstaltung im „Tsawta" Tel Aviv, in der von der Spannung berichtet wurde, die in den Anfängen des hebräischen Theaters zwischen der osteuropäischen Auffassung (HaBimah und HaOhel) und der mitteleuropäischen Auffassung (HaKameri) herrschte, der Abend mit Jeckesgeschichten (Produktion Jossi Alfi) in Cholon und die Vortragsreihe vor dem Forum des Jeckesnachwuchses in den Mischkenoth Schaananim in Jerusalem.

 

Viertes Kapitel: Vom Mitteilungsblatt zum „Yakinton" 1932 bis 2007

 

Das erste „Mitteilungsblatt" der Vereinigung wurde im September 1932 mit der Schreibmaschine getippt, im März 1933 erschien die erste gedruckte Ausgabe. Seither kam das MB hebräisch und deutsch in ununterbrochener Folge heraus und wurde zu einer der ältesten, konsequentesten und ernsthaftesten Zeitschriften des Landes und Staates Israel.

 

 

Vom Mitteilungsblatt zum politischen Organ

 

Das MB diente vor allem als Vehikel zur Verbreitung von Nachrichten unter den Einwanderern aus deutschsprachigen Ländern. In den ersten Jahren erschien das MB in unregelmäßigen Abständen, aber von 1934 bis 1940 war es ein Zweiwochenblatt, größtenteils in deutscher Sprache, zuweilen gab es eine halbe oder ganze Seite auf Hebräisch. In einigen wenigen Ausgaben nahm der hebräische Teil bis zur Hälfte des Heftes ein. Die Artikel in deutscher Sprache wurden von prominenten Intellektuellen und Publizisten verfasst und handelten von Kultur, Literatur und Weltanschauungen, der hebräische Teil dagegen war praktischen Themen gewidmet. Das MB war eine rein informative Zeitung. Sie wurde an ihre Abonnenten, an die Mitglieder der Vereinigung also, verschickt. 1935 erreichte die Auflage 3500 Exemplare, im Jahr darauf schon 6000. Die hebräische Presse verschärfte ihre Angriffe gegen die deutsche Sprache und gegen das Bestehen von Zeitungen in dieser Sprache. Im Sommer 1938 schlossen die Nazis die Jüdische Rundschau, das deutschsprachige Organ der zionistischen Organisation. An ihre Stelle trat die „Jüdische Weltrundschau", die im Land Israel zu erscheinen begann; die Redaktion saß in Jerusalem, die Zeitung wurde in Paris gedruckt und dann ins Land geschickt. Als sie ihr Erscheinen 1939 einstellte, fanden ihre Autoren den Weg in die Redaktion des MB. Ab Mai 1940 erschien das MB als Wochenblatt unter der Redaktion von Robert Weltsch. Die damalige Vereinigung änderte den Charakter des MB von einem Nachrichtenblatt zu einem Wochenblatt liberaler zionistischer Orientierung.

 

Zu den Einwanderern aus Deutschland, die der Vereinigung angehörten, zählten Journalisten und Schriftsteller, die in deutscher Sprache schreiben wollten; daher die vielen politischen Kommentare im MB und die Untersuchungen der jüdisch-zionistischen Identität der Einwanderer der Fünften Alija.

Im Gefolge der Entscheidung von 1942, die Partei ‚Alija chadascha‘ zu gründen und sie von der Vereinigung mitteleuropäischer Einwanderer abzutrennen, wurde beschlossen, dass das MB als Organ und Diskussionsbühne für beide Körperschaften dienen sollte, die gesellschaftliche sowohl als auch die parteipolitische: drei Ausgaben in jedem Monat sollten als politisches Parteiorgan der ‚Alija chadaschah‘ unter der Redaktion von Robert Weltsch erscheinen und eine im Monat als unpolitisches Organ der Vereinigung. Im September 1943 erschien die erste Ausgabe des MB unter dem Namen „'Amudim - Alija chadaschah" auf Hebräisch und im selben Monat die Ausgabe „Jedi'ot - Irgun Olej Merkas Europa" im Namen der Vereinigung. Das MB erschien auf diese Weise bis 1948.

 

Vom Mitteilungsblatt zum Monatsheft für Kultur

Das MB erschien von 1948 bis März 1985 auch weiterhin als Wochenblatt, größtenteils auf deutsch mit einer kleinen hebräischen Beigabe. An die Stelle der organisatorisch-gesellschaftlichen Mitteilungen traten israelische Kulturbelange und Nachrichten über aktuelles Geschehen für deutschsprachige Leser. Im März 1985 wurde beschlossen, die Erscheinensfrequenz von wöchentlich auf monatlich herabzusetzen und das neue Monatsheft ‚Mitteilungsblatt der Vereinigung der Israelis mitteleuropäischer Herkunft‘ zu nennen. Ursachen des Beschlusses waren Finanzierungsschwierigkeiten und die sinkende Zahl der deutsch Lesenden.

Redakteure des MB von seiner Gründung an waren der Gründer Dr. Theodor Zlozisti, Dr. Robert Weltsch, Dr. Hans Tramer, Dr. Hans Kappel, Seev Österreicher, Prof. Paul Alsberg, Abraham Frank, der den hebräischen Teil redigierte, und Oded Baumann, der viele Jahre lang den deutschen Teil der Zeitung betreute, allesamt Einwanderer der Fünften Alija. Heute redigiert der erfahrene Journalist und Fernsehmoderator Micha Limor, ein gebürtiger Jerusalemer, Sproß einer jeckischen Famile, die zu Anfang der Fünften Alijah ins Land kam, das Yakinton MB.

Micha Limor erweiterte den hebräischen Teil des Blattes auf Kosten des deutschen, der vorwiegend Übersetzungen hebräischer Artikel enthält. Er änderte auch das Erscheinungsbild; jetzt haben wir eine Farbbroschüre in moderner Aufmachung. Inhaltlich kamen Reportagen hinzu, die sich mit Angelegenheiten des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens befassen, sowie mit Themen des Kulturerbes, persönliche Erinnerungen und aktuelle Informationen über Tätigkeiten der Vereinigung. Die breite Öffentlichkeit zeigt mehr und mehr Interesse an Reportagen, die sich an die Gründergeneration und die Nachwuchsgenerationen wenden, und die Leserzahl wächst beständig. Der überkommene Name Mitteilungs-Blatt wurde in MB‑Yakinton umgeändert. Was als einseitiges Bekanntmachungsblatt anfing - und durch seine deutsche Sprache den Jischuw gegen sich aufbrachte -, entwickelte sich und besteht bis heute, mit der Vereinigung der Israelis mitteleuropäischer Herkunft als Herausgeber und Hebräisch als Hauptsprache, und umfasst 44 Seiten.

 

Fünftes Kapitel: Die Vereinigung und die israelische Politik

 

Erste Versuche politischer Organisation

 

Im ersten Jahrzehnt seines Bestehens war die Vereinigung eine ungewöhnliche Erscheinung in der politischen Landschaft des Jischuw, sie enthielt sich jeder erkennbaren Parteizugehörigkeit. Die Interessen, denen sie Ausdruck verlieh, waren nur ihre eigenen: politische Tätigkeit und Geldsammlung für die Juden Deutschlands; Betreiben der Einwanderung; Ansiedlung und Vermögensüberführung; administrative Maßnahmen im Zusammenhang mit der Eingliederung neuer Einwanderer in Städten und ländlichen Siedlungen. Die Mitglieder der Vereinigung gehörten zu allen Farben des damaligen politischen Spektrums. Als vertretende Körperschaft der Gesamtheit aller Einwanderer hütete sich die Vereinigung vor jeder politischen Einmischung und meinte, sie müsse als öffentliche Körperschaft über dem Parteigerangel des Jischuw stehen. Nur wenige der Mitglieder, vor allem alteingesessene, fanden ihren Platz im Politikbetrieb des Jischuw. Einige der aus Deutschland Gekommenen, denen die vorhandenen Organisationsrahmen nicht zusagten, machten sich selbst an politische Organisierung, und im Oktober 1934 erstand eine Gruppe namens Kidma unter Führung Kurt Blumenfelds und Gustav Krojankers. Nur wenige der Aktivisten der Vereinigung schlossen sich ‚Kidma‘ an. Der Gruppe war kein Erfolg beschieden, nicht einmal unter den Einwanderern aus Deutschland, und sie löste sich nach dem 20. Zionistischen Kongress (1937) auf. Im Mai 1938 gründeten die Jeckes eine neue Partei, die sich ‚Achdut HaAm‘ nannte. Zu ihren Gründern zählten Siegfried Moses, Salman Schocken, Sally Hirsch und Felix Rosenblüt (der spätere Pinchas Rosen). Die Partei erzielte nur zwei Mandate auf dem 21. Zionistischen Kongreß (1939) und löste sich gleich danach wieder auf. Diese beiden Parteien entfalteten ihre Haupttätigkeit im Bereich der zionistischen Bewegung und der zionistischen Politik.

Im Zuge der Vorbereitung auf den Kommunalwahlkampf in Tel Aviv, wo der Großteil der Einwanderer aus Deutschland lebte, wurde 1935 in der Zentrale der Vereinigung beschlossen, die Teilnahme an den Wahlen zu befürworten. Ohne politischen Einfluss im Stadtrat wären viele der praktischen Fragen der Einwandererintegration schwerlich zu lösen gewesen. In den Wahlen gelangte die Liste der Einwanderer aus Deutschland unter den 25 Listen, die zur Wahl standen, auf den neunten Platz. Das Wahlergebnis ermutigte die Vereinigungsführung, sich stärker im Bereich der Stadtverwaltung zu engagieren und somit einen Mittelweg zwischen praktischer und politischer Tätigkeit zu beschreiten. Die Zweifel über den Charakter der politischen Tätigkeit der Vereinigung und ihr Verhältnis zum Parteienbetrieb des Jischuw setzten sich während des ganzen Jahres 1941 und noch über die Jahresmitte 1942 hinaus fort. In der Landesversammlung am 21. Dezember 1940 wählte sich die Vereinigung eine neue Führungsspitze. Felix Rosenblüt wurde Präsident der Vereinigung und Georg Landauer sein Stellvertreter. Die ‚Hitachdut Olej Germania weAustria‘ war insbesondere bestrebt, auf die Einziehung und Verteilung der Jischuw-Steuern Einfluß zu nehmen, weil sie sich ausrechnete, dass sie in Zukunft immer abhängiger davon werden würde. Die Druckausübung erreichte ihr Ziel, und bei der Aufstellung des Wa'ad leumi (der „Regierung" des Jischuw unter der Mandatsherrschaft) im Jahre 1940 wurde auch ein Vertreter der Vereinigung aufgenommen.

 

 

1942 - Eine Partei namens ‚Alija chadascha‘

Im Sommer 1942 kam in der Vereinigung eine Mehrheit von Befürwortern politischer Organisierung zustande. Nach Meinungsverschiedenheiten und Zweifeln entschied die Jahresversammlung der Vereinigung Ende Oktober 1942, die Vereinigung in eine politische Partei umzuwandeln und fortan ‚Alija chadascha‘ zu nennen. Für Wohlfahrt und Eingliederung der Einwanderer sollte nunmehr eine neue unpolitische Organisation namens ‚Irgun Olej Merkas Europa‘ sorgen, die auch das Solidaritätswerk, die Darlehenskasse Kupat Milwe und die Hilfskasse übernehmen sollte. Die Versammlung erklärte sich selbst zur Gründungsversammlung der Partei ‚Alija chadascha‘. Zum Präsidenten der Partei und Vorsitzenden des Irgun Olej Merkas Europa wurde Felix Rosenblüt gewählt und zu seinem Stellvertreter Georg Landauer. Fortan sollte der ‚Irgun Olej Merkas Europa‘ die meisten der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Aufgaben erfüllen, die bisher die alte Vereinigung erfüllt hatte. 1942, nach Entscheidung der Frage, ob und wie man in der Jischuw-Politik mitmischen sollte und nach Abspaltung des politischen Arms der Vereinigung in Gestalt der ‚Alija chadascha von dem ‚Irgun‘ als dem gesellschaftlichen Arm, nahm die Vereinigung den Charakter an, den wir heute kennen: fern der Politik, kulturell, gesellschaftlich und karitativ tätig.

 

1943: Absplittern Haifas - alles aus persönlichen Rücksichten

Angesichts der weltanschaulichen Identität und hochgradigen organisatorischen und praktischen Verbundenheit der Partei ‚Alija chadascha‘ und des ‚Irgun Olej Merkas Europa‘ beschlossen die Führer der damaligen Mehrheitspartei Mapai (kurz für miflegeth po'ale erez Israel), dass die Mitgliedschaft in einer Organisation, die sich praktisch mit einer anderen politischen Partei identifiziere, sich mit der Mitgliedschaft in der Mapai nicht vertrage. Damals war der Jecke David Tene Vorsitzender der Haifaer Zweigstelle der Vereinigung und auch Mitglied der Mapai. So sah Tene sich zur Entscheidung zwischen den beiden gezwungen. Um weiterhin „auf beiden Hochzeiten" tanzen zu können, schlug er vor, die Haifaer Zweigstelle der Vereinigung als neuen „ottomanischen Verein" eintragen zu lassen. Dadurch würde er Mitglied des („neuen") „Irgun", der ja nicht mehr zu der neuen Partei gehören würde, und zugleich auch Mapai-Mitglied bleiben können. Als alleiniger „Herrscher" in der Haifaer Zweigstelle konnte er seinen Antrag durchsetzen, und die Zweigstelle wurde zur selbständigen Schwesterorganisation, die bis zum heutigen Tag juristisch nichts mit der Landesvereinigung zu tun hat.

 

1944 - ‚Alija chadascha‘, eine große Partei

Die Partei ‚Alijah chadaschah‘ war in jeder Hinsicht zu einer Partei geworden und schlug einen eigenen politischen Weg ein. Sie musste ihn sich bahnen und ihren Platz auf der Parteienpalette des Jischuw einnehmen. Ihr Ziel war die Verstärkung des Einflusses der Einwanderer aus Mitteleuropa auf die Gestaltung der Politik und die Institutionen des organisierten Jischuw in Erez Israel. 1944 beteiligte sich die Partei ‚Alija chadascha‘ an den Wahlen zur Abgeordnetenversammlung und erreichte den zweiten Platz.

 

1948 - Der große Fall und die Geburt der ‚Progressiven‘

Der überraschende Erfolg der Partei hielt nur für kurze Zeit an. Nach der Staatsgründung vermochte sie sich nicht als politische Macht durchzusetzen. Im Laufe des Jahres 1948 kam der Vorschlag zur Sprache, sich mit der Partei der ‚Allgemeinen Zionisten‘ und der Bewegung ‚HaOved haZioni‘ zu vereinigen und so einen größeren liberal-progressiven Block zu schaffen. In der Vereinigung zeichnete sich eine Mehrheit zugunsten des Zusammenschlusses ab, der die Gruppe aus Haifa als Minderheit gegenüberstand. Im April 1948 schließt ‚Alija chadascha‘ sich der Volksverwaltung (so hieß die „Regierung" vor der Staatsgründung) an, und Pinchas Rosen wird (durch Ben Gurion, der einen „ehrlichen Jecken" wollte) zum Justizminister der vorläufigen Regierung ernannt. Hans Tramer wird Generalsekretär der Vereinigung. Im August desselben Jahres wird der Beschluss über die Gründung einer neuen demokratisch-progressiven Partei durch ‚Alija chadascha‘, ‚HaOved haZioni‘ und die progressiven Kreise der ‚Allgemeinen Zionisten‘ gemeinsam gefasst. Die Mitglieder aus Haifa, die schon immer gegen diesen Schritt waren, treten aus, und die Zweigstelle Haifa wird endgültig zu einer selbständigen Stelle mit eigenen Organen. Bis heute haben die Bemühungen um die formaljuristische Wiedervereinigung der Vereinigung nicht aufgehört. Der ‚Irgun Olej Merkas Europa‘ (seit rund zehn Jahren umbenannt in ‚Irgun Jozej Merkas Europa‘) mit den Zweigstellen in Tel Aviv und Jerusalem wirkt nach wie vor als politisch neutrale Organisation und erhält die Verfügung über das MB, das eine Zeitlang die Zeitung der ‚Alija chadascha‘ war. Die unpolitische Vereinigung ist bis heute tätig, die Partei der mitteleuropäischen Einwanderer verschwand aus der politischen Landschaft (in den Sechzigerjahren).

 

Die Abfolge der Präsidenten, Generalsekretäre und Direktoren

- Liste der Präsidiumsvorsitzenden

- Liste der Generalsekretäre und Direktoren

 

Den Präsidenten zur Seite standen die Generalsekretäre Max Kreuzberger, Hans Tramer, der das Amt vierzig Jahre lang innehatte, Seev Österreicher, der zehn Jahre lang amtierte, sein Nachfolger während elf Jahren Usi Werner. Direktoren - Mosche Harel und Devora Haberfeld.

Letzte Aktualisierung ( Saturday, 27. October 2007 )
 

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